Wildkräuter Teil 1

Wildkräuter Teil 1 – JETZT ist die beste Zeit zum Jäten… und was ihr daraus machen könnt!

Wildkräuter

"geliebte Feinde"

Giersch, Vogelmiere & Co.

machen wir uns zunutze

Gesundheit!

(ein 11chen)

Wildkräuter Teil 1
Wildkräuter Teil 1
Wildkräuter Teil 1

Kaum ein Gärtner kennt sie nicht - Giersch, Vogelmiere & Co.

Wildkräuter, die so manchem Gärtner das Leben - nennen wir es ein wenig harmloser - SEHR unbequem machen können. Leider werden sie in vielen Gärten regelrecht zur Plage und gehen uns Naturgärtnern - seien wir mal ehrlich - auch wirklich oft "auf die Nerven". Doch ist das tatsächlich so? Sollten wir ihnen nicht gerade in Zeiten wie diesen eine Chance geben? Zugegeben, früher entlockte es mir auch beim Anblick eben dieser "Wildkräuter" (wie man sie ja jetzt nennt - "Unkraut" ist ja nimmer zeitgemäß 🙂 ) ein: "Na geh', schon wieder.... Und sogleich machte ich mich voller Tatendrang ans Werk, diesen "Lästlingen" den Garaus zu machen. Nach stundenlanger (manchmal auch tagelanger, je nachdem wie lange ich es habe "schleifen lassen") , schweißtreibender Arbeit - denn das ist hier tatsächlich das richtige Wort (auch beim Gärtnern!) - blickte ich stolz auf das ganz toll "saubergemachte Beet". Zufrieden und siegessicher verließ ich das "Feld". Doch im Untergrund schlugen die Wurzelchen meiner "Feinde" neu aus, suchten sich ihren Weg nach oben zur Sonne, um mir bald darauf ihre grünen Köpfchen erneut spöttisch entgegenzustrecken. Denn so empfand ich manchmal bei Ihrem Anblick und wieder entlockten sie mir ein "Na geh', ned scho wieder!...

Mit zunehmender "gärtnerischer Reife" kann ich aber nun berichten: ich habe meinen Frieden gefunden und betrachte genannte Kandidaten nunmehr als "geliebte Feinde" 🙂 , denn bei genauerer Betrachtung und relaxter Einstellung überwiegen die Vorteile, wenn man deren Erscheinen entspannter begegnet. Ja, sich diese Wildkräuter sogar zunutze macht.

Kommt mit mir auf eine kleine Gartenentdeckungstour, holt euch ein paar Gartenpraxistipps und seht', wie Wildkräuter nicht nur kulinarisch euer Leben bereichern können...

 

Wildkräuter Teil 1
Herbstimpression Haslinger

Der liebe GIERSCH - im Volksmund auch "Erdholler" genannt - auf der gärtnerischen "Jagdliste" auf Platz 1 !

Was hab ich mich mit ihm geplagt! Seit vielen Jahren jedoch schätze ich ihn sehr, und lasse ihn sogar in manchen Bereichen meines Naturgartens bewusst wachsen. Er lässt sich ganz wunderbar in tolle Natursträuße einarbeiten - ich nenne ihn sogar mein "wildes Schleierkraut" und so hat er sogar schon Einzug in so manchen Brautstrauß gefunden - was für eine Karriere 🙂

Und seit ich weiß, welch' wertvolle Inhaltsstoffe in ihm schlummern (Vitamin C, sogar höher als in Zitronen, wertvolle Mineralstoffe und Spurenenlemente - früher wurde er in Klostergärten sogar als Heilpflanze absichtlich angebaut), habe ich beschlossen, ihn einfach aufzuessen. Giersch schmeckt ganz wunderbar nach Petersilie und kann für viele köstliche Gerichte verwendet werden (kulinarische Tipps in Kürze - Wildkräuter Teil 2). Einfach frisch aus dem Garten naschen - ausprobieren - die ganz jungen Blätter sind wirklich wohlschmeckend, zu grünen Smoothies mixen, als Salat .... Ganz ehrlich - meine Familie kann meine Begeisterung nur mittelmäßig teilen. Dafür sind unsere "Langohren", sprich Kaninchen, da ganz auf meiner Linie. Denn wenn die Blätter voll entwickelt sind, "grüneln" sie schon sehr. Dann dienen sie als schnell gepflücktes Kaninchenfutter. Anfangs stürzen sich unsere Kaninchen noch drauf, wenn dann aber den 3./4...Tag Giersch auf dem Speiseplan steht - glaube ich ein leises "na geh', ned scho wieder..." von ihnen zu hören 🙂

Da aber selbst ich Giersch nicht ungehemmt wachsen lasse, nutze ich das zeitige Frühjahr, um ihn einzudämmen. JETZT ist der ideale Zeitpunkt, um Giersch in seine gärtnerischen Schranken zu weisen. Die Erde ist noch feucht und somit locker - wer brav gemulcht hat - sogar besonders offenporig. So geht es sehr leicht, dem Wurzelgeflecht des Giersch "zu folgen" und es auszuheben. Nutzt JETZT die Zeit, die Staudenbeete sind noch übersichtlich und das geschulte Auge findet ganz schnell die markanten Blätter. Es gilt hier wirklich "wehret den Anfängen", dann verläuft das restliche Gartenjahr diesbezüglich viel entspannter...!

 

Workshop Haslinger
Blumenbinden Haslinger

... weiter geht es mit unserem nächsten "Freund" - die liebe VOGELMIERE.

Ihr habt sie in eurem Garten? - das ist wirklich großartig!! - Ja, richtig gelesen!

Zunächst zeigt es, dass ihr ganz tollen Gartenboden habt, denn Vogelmiere ist eine Zeigerpflanze für nährstoffreiche Böden und gedeiht dort besonders gut (leider auch überall anders) - gleichzeitig schützt sie Böden auch vor Bodenkorrosion, weil sie sich sozusagen drüberlegt, dient so als Mulch und hält den Boden drunter schön feucht. Doch trotzdem nicht ganz zu "romantisch" sehen - auch hier gilt - "wehre den Anfängen". Wenn sie blüht und sich zu sehr ausbreitet, wegnehmen. Das Gute ist, sie lässt sich leicht ausreißen....

Ein weiterer Vorteil von Vogelmiere ist, dass auch dieses Kräutlein voll wertvoller Inhaltsstoffe ist: neben Vitamin C enthält es Spurenelemente wie Kalium und Eisen. Das hilft uns, unseren Körper fit und gesund zu halten. Aber bitte Vorsicht, übertreibt es nicht, denn in zu großen Mengen wirkt sie aufgrund der enthaltenen Saponine leicht toxisch. Also mit Maß und Ziel verzehren. Ich habe sie heuer in meinem Glashaus sogar "angebaut" (in milden Wintern wie heuer auch im Freien), damit ich auch im Winter meine Familie mit frischen Vitaminen aus dem Garten versorgen kann. Vogelmiere lässt sich zum Beispiel zu diesem wirklich sehr schmackhaften und ganz schnell gezauberten Rezept verarbeiten:

Vogelmiere-Nockerl mit Wildkräutersalat

Herbstimpressionen Haslinger
Wildkräuter Teil 1

Das braucht ihr dazu:

1 Teller frische Vogelmiere  -  1 BioEi  -  1 Becher Joghurt (250ml)  -  1 TL Salz oder (selbstgemachtes) Bärlauchsalz  -  1 "Teller" (Dinkel)Mehl

Wildkräuter Teil 1

Joghurt und Vogelmiere in einem Gefäß mit dem Stabmixer fein pürieren.

Das Ei dazugeben und nochmals schön schaumig aufschlagen.

Wildkräuter Teil 1

Ich koche viel "nach Gefühl", daher habe ich bewusst keine GrammAngabe gemacht, da es je nach Mehltype, Ei ... variieren kann. Der Teig sollte eine "leicht zähe" Konsistenz bekommen. Hannah zeigt euch in den nächsten beiden Kurzvideos, wie es ideal ist, um daraus schöne Nockerl zu erhalten (Beitrag 1).

Dann gut gesalzenes Wasser in einem großen Topf aufkochen und die Nockerl mittels Nockerlsieb einfließen lassen. (Beitrag 2)

Herbstimpressionen Haslinger

Wenn die Nockerl obenauf schwimmen, sind sie fertig.

Mit einem Schöpfer abseien und abtropfen lassen...

Wildkräuter Teil 1

Für den WildkräuterSalat könnt ihr eurer Phantasie freien Lauf lassen.

Hannah hat bei uns im Garten ein richtiges BlumenPotpourrie gesammelt:

Schlüsselblume, Gänseblümchen, Veilchen, Kirschblüten, Pimpinelle, Fenchel, Hornveilchen, Taubnessel und natürlich Vogelmiere.

Das alles vermengt sie mit ein paar grünen Salatblättern, frischen Radieschen und einer Marinade aus: etwas Rosenblütensirup, Rosenblütenessig, Bärlauchsalz, Pfeffer, Olivenöl

Wildkräuter Teil 1

... wenn das nicht appetitlich aussieht, da braucht es gar nicht mehr ... wir essen es gerne ganz "pur", nur mit ein paar "Parmesanspänen". Wenn ihr es ein wenig gehaltvoller mögt, wäre ein leichtes Sahnesößchen oder einfach "Ghee" (Nussbutter = geschmolzene Butter) eine schnelle und köstliche Variante. Bon Appetit! ...

 

Wildkräuter Teil 1

Weiter geht es mit unserem Wildkräuter Ausflug - die BRENNESSEL

 

Ein Geschenk für jeden Naturgärtner! Nicht nur, dass sie als wertvolle Futterpflanze und Kinderstube für Schmetterlinge einen wichtigen Beitrag im Kreislauf der Natur leistet. Sie dient auch als Heilpflanze und sogar als Textilfaser. Mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen kommt sie in vielen Anwendungen der Volksmedizin vor: z.B. als Blutreinigungstee, Verbesserung des Blutbildes, als haarpflegendes Mittel lässt sie Haare wieder sprießen, um nur Einige zu nennen. Die Samenkörner der Brennessel sollten besonders Männer genießen - so heißt es 🙂

Ich verwende sie gerne in meiner Frühlingsküche als Spinatzusatz und auch Alternativ zur Vogelmiere im Nockerlteig.

Aber am allermeisten setze ich sie für meine pflanzenstärkenden Jauchen ein - das hat schon meine Großmutter so gemacht - und ich schwöre drauf: einen großen Kübel voll Brennessel, klein geschnitten (WICHTIG: ohne Samenansatz, sonst verteilt ihr diese übers ganze Beet) mit Wasser auffüllen. Nach einem Tag könnt ihr den "Tee" als BlattlausMittel einsetzen. Wenn ihr ein wenig Geduld habt (ca. 2 Wochen) und ihr auch den Geruch in Kauf nehmt (den kann man zwar durch Zugabe einer Handvoll Urgesteinsmehl abschwächen, aber ganz verschwindet er nicht) vergort es zu einer Jauche. Einen Becher davon in eine voll gefüllte Gießkanne füllen und als "BioDünger" für eure Pflanzenschätzchen verwenden. Es wirkt wirklich großartig - ausprobieren!

Noch ein Tipp für Tomatengärtner: eine handvoll kleingeschnittener Brennesselblätter (auch hier ohne Samenansatz) direkt ins Pflanzloch der Tomaten geben - ihr werdet sehen - eure Tomaten "stehen drauf" und danken es euch mit besonders kräftigem Wuchs!

Wildkräuter Teil 1

LÖWENZAHN: auch er lässt sich jetzt noch leicht aus dem lockeren Boden stechen. Tief ansetzen, da er sehr tief wurzelt. Aber geht nicht ganz zu rigoros vor - die Bienchen werden es euch danken, es sieht auch hübsch aus und die Blüten schmecken köstlich auf Butterbrot!

GRAS im Beet: im Vergleich mit den anderen "Lästlingen" geradezu harmlos, wenn man auch hier den Anfängen wehrt...

Wird das was, oder kann das weg?

Meine Tipps als GARTENCOACH:

Wildkräuter Teil 1

Ihr Lieben - das kann weg!

linker Pfeil: GRAS, bevor es Samen ansetzt sollte es auf jeden Fall weg!

rechter Pfeil: GUNDERMANN, auch der kann lästig werden, da er sich - zwar oberirdisch und daher leicht zu entfernen - gerne flächig ausbreitet. Er ist eigentlich auch schmackhaft und gesund, blüht auch hübsch - aber ich würde trotzdem den Tipp geben "wehret den Anfängen"

Wildkräuter Teil 1

HIER genau hinsehen - das wird was!

linker Pfeil: ein VEILCHEN hat sich hier angesiedelt - noch dazu ein besonders hübsches und selteneres - es blüht weiß und duftet atemberaubend!

rechter Pfeil: das wird ein VERGISSMEINNICHT - auch viel zu schade, es einfach "loszuwerden"...

Nun ein kleiner Vorgeschmack auf meinen nächsten Blog - Wildkräuter Teil 2, der in Kürze erscheinen wird:

Hier wird es sehr blumig und kulinarisch. Es geht um weitere, herrliche "Wildkräuter" und "essbare Wildblumen", ihre wertvollen, heilsamen Inhaltsstoffe und was ihr in der Küche daraus zaubern könnt!...

In Zeiten wie diesen habe ich ganz bewusst zwei Vertreter aus der Kategorie "Lungen - Heilkräuter" gewählt, natürliche Unterstützung in dieser Richtung kann nicht schaden...

Wildkräuter Teil 1

LUNGENKRAUT - oder wie wir als Kinder sagten: "Hänsel und Gretel"

wie der Name schon verrät, wird es in der Kräuterkunde gerne bei Halsweh und Atemwegserkrankungen als Tee eingesetzt. Die tatsächliche Wirkung ist aber ein wenig umstritten.

Man kann es dafür aber gut in der Kräuterküche verwenden - mehr dazu im nächsten Blog...

Wildkräuter Teil 1

SPITZWEGERICH: ein tolles Heilkraut - es wurde 2014 sogar als Arzneikraut des Jahres gekürt!

Ich selbst habe für Hannah daraus immer einen "Hustensaft" angesetzt.

Frisch genossen erinnert der Geschmack ein wenig an Pilze - ausprobieren lohnt sich 🙂

Auch hier mehr zu dieser wunderbaren Pflanze im nächsten Blog...

... und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Jäten, Wildkräuter sammeln und verarbeiten... Genießt ein wenig Zeit in der freien Natur - achtet dabei auf euch und eure Mitmenschen - und vor allem bleibt gesund!!

Alles Liebe

Patrizia und Hannah

Die Herzensgärtnerin®

 

Noch ein kleiner Tipp von mir:

JETZT  ist noch eine gute Zeit,

um Tomaten selbst vorzuziehen!

Wildkräuter Teil 1

 

Fotos und Texte: © Copyright  TheHeartgardener ®

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