Safran anbauen im eigenen Garten?
Was nach Orient klingt, funktioniert auch in Österreich erstaunlich gut.
Erfahre, wie du den Safrankrokus richtig pflanzt, pflegst und erntest – und warum schon wenige Blüten großes Gartenglück schenken.
"Safran macht den Kuchen gehl..."
Ich wette, beim Lesen dieser Zeile hattest du sofort die Melodie im Kopf!
Mir geht es jedenfalls so. Als Kind habe ich dieses Lied unzählige Male gesungen, ohne zu wissen, was Safran überhaupt ist. Irgendwo zwischen Mehl, Butter und Zucker musste dieses geheimnisvolle Gewürz doch wohl wohnen.
Viele Jahre später weiß ich: Safran färbt tatsächlich nicht nur den Kuchen gelb. Er veredelt Risotto, bringt orientalisches Flair in die Küche – und das Schönste daran: Er kann sogar im eigenen Garten wachsen. Ja, auch bei uns in Österreich und super easy auch bei dir im Garten!
Zugegeben, als ich das zum ersten Mal gehört habe, war ich ziemlich skeptisch. Safran? Das teuerste Gewürz der Welt? Im eigenen Garten? Zwischen Rosen, Kräutern, Erdäpfeln und Paradeisern?
Heute weiß ich: Genau das macht Gärtnern so spannend. Man lernt nie aus. Man darf experimentieren - und manchmal sind es gerade die außergewöhnlichen Pflanzen, die uns am meisten begeistern (die wir vielleicht auf einer tollen Reise kennen- und schätzen lernen durften! Wie auch ich anlässlich einer Marokkoreise sprichwörtlich auf den Geschmack gekommen bin)
Als Naturgärtnerin mag ich besonders Pflanzen, die nicht nur schön aussehen, sondern auch Geschichten erzählen. Der Safrankrokus gehört für mich genau dazu. Er bringt ein Stück Kulturgeschichte in den Garten und zeigt, wie vielfältig naturnahes Gärtnern sein kann.
Warum Safran so besonders ist
Safran wird aus einer ganz bestimmten Krokusart gewonnen – dem Safrankrokus (Crocus sativus). Anders als seine Frühlingsverwandten blüht er erst im Herbst, meist zwischen Oktober und Anfang November.
ACHTUNG: bitte achte darauf, dass du ihn nicht mit der Herbstzeitlosen verwechselst! (diese blüht ebenfalls - wie der Name schon sagt - im Herbst, ist aber in allen Teilen GIFTIG!)
Das Besondere am Safrankrokus steckt im Inneren jeder Blüte. Genau drei leuchtend rote Narbenfäden liefern jenes Gewürz, das seit Jahrhunderten Küchen auf der ganzen Welt verfeinert.
Dass Safran seinen Preis hat, überrascht kaum. Für ein Kilogramm benötigt man rund 150.000 bis 200.000 Blüten – und jeder einzelne Faden wird sorgfältig von Hand geerntet.
Umso schöner finde ich den Gedanken, wenigstens einen kleinen Teil davon selbst kultivieren zu können.
Bei mir ist das immer ein schönes Ritual - täglich in den Garten zu gehen - schauen, welche Knospe hat sich "heute" geöffnet, wieviele Fäden darf ich ernten.... Bei der ersten Ernte habe ich dazu sogar jeden Tag Buch geführt 🙂
Safran anbauen – einfacher als gedacht
Viele glauben, Safran brauche mediterranes Klima. Tatsächlich fühlt sich der Safrankrokus auch bei uns wohl, solange er einen sonnigen Platz bekommt.
Ideal sind warme Standorte mit lockerem, gut durchlässigem Boden. Staunässe verträgt er überhaupt nicht. Wer schweren Lehmboden im Garten hat, mischt einfach etwas Sand oder feinen Kies unter. Das verbessert den Wasserabzug deutlich.
Oder du machst es wie ich - ich habe zwei Strategien entwickelt: einerseits baue ich meine Safranknollen in Kisten an - sehr dicht aneinander gereiht. Dafür verwende ich ein Rasenerdgemisch mit hohem Sandanteil. Ich stelle diese Kisten in meinem Gemüsegarten auf - das ist zudem sehr platzsparend und hilft auch bei der Ernte - weil man somit einen sehr guten Überblick behält.
Weiterer Vorteile für mich - als wühlmausgeplagte Gärtnerin - die Biester haben hier keine Chance, meine kostbaren Knollen zu futtern!
Jede Kiste bekommt auch eine Portion Kompost zum Start als Düngergabe. Nach der Ernte bzw. in der Ruhephase stelle ich diese Kisten abseits unter einen Baum, denn in dieser Phase sind sie optisch nicht der Hingucker. Sie sind zwar wintergrün, ziehen sich dann aber zurück.
Darüberhinaus habe ich sie auch direkt in meine Staudenpflanzung integriert. Das hat im ersten Jahr gut funktioniert und hatte neben dem kulinarischen Nutzen auch eine tolle Herbstblüte hervorgebracht. Bonus, durch die späte Blüte bieten sie auch noch wertvolle Nahrung im Spätherbst für Insekten. NUR - dann haben sie meine Wühlmäuse entdeckt. Glücklicherweise hatte ich oben genannten "Plan B".
Wenn du aber diese Biester nicht im Garten hast, fühlt sich Safran sehr wohl im Steingarten (hier bitte partiell düngen), Präriepflanzungen, sonnigen Beeten und natürlich auch im Hochbeet (so du dafür Platz darin hast). Probier' einfach mehrere Standorte aus!
Sobald sich Tochterknollen bilden, kannst du diese an den besten Stellen konzentrieren.
Tipp: Safran lässt sich nur über diese "Brutknollen" vermehren! bzw. bleibt der Bestand erhalten
Wann pflanzt man Safran?
Die beste Pflanzzeit liegt zwischen Ende Juli und Anfang September.
Die Knollen kommen etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter tief in die Erde. Zwischen den einzelnen Knollen dürfen ruhig zehn Zentimeter Abstand bleiben.
Du kannst sie aber auch platzsparend in Kisten pflanzen. Am Einfachsten machst du es folgendermaßen: nimm' dir eine stabile Kiste - ich verwende dafür gerne Staudenkisten. Diese lege ich mit Karton oder einer dicken Schicht Zeitungspapier aus (damit die Erde nicht gleich durchrieselt). Darauf gebe ich etwa 5 Zentimeter Rasenerde. Dann stelle ich einfach dicht an dicht die Safranknollen - das können dann in so einer Kiste schon mal 100 Stück auf kleinstem Raum sein. Mit Gefühl die Kiste randvoll mit Erdgemisch auffüllen. Nach dem ersten vorsichtigen Gießen (damit es nicht gleich überschwappt) verteilt sich die Erde gut zwischen den Lücken und der Gießrand bildet sich von selbst...
Mit der Zeit bilden sich Tochterknollen, sodass der Bestand langsam größer wird.
Mein Tipp: Pflanze lieber gleich eine größere Gruppe. Erst wenn viele violette Blüten gleichzeitig erscheinen, entsteht dieser wunderschöne Eindruck eines kleinen Herbstblütenmeeres. (nämlich genau in der tristen Jahreszeit!)
Weniger Pflege geht fast nicht
Der Safrankrokus gehört zu jenen Pflanzen, die man fast in Ruhe lassen sollte.
Gedüngt wird nur sparsam und das organisch. Gegossen wird eigentlich nur bei außergewöhnlich langer Trockenheit und direkt nach dem Pflanzen.
Viel wichtiger ist ein lockerer Boden und dass sich kein Wasser rund um die Knollen staut.
Im Winter darf der Safrankrokus übrigens ganz entspannt draußen bleiben. Er ist winterhart und kommt mit unseren Wintern gut zurecht. Du kannst ihn - beim Anbau in Kisten - mit einer Schicht Reisig schützen.
Safranfäden VOR dem Trocknungsprozess
Die Ernte – drei rote Fäden voller Aroma
Wenn sich die Blüten im Spätherbst öffnen, beginnt der schönste Moment.
Geerntet wird möglichst an einem trockenen Vormittag, was bei einer Ernte im November manchmal schwierig gestalten kann. Tatsächlich blüht mein erster Safran erst im November. Aber genau in dieser tristen Jahreszeit erfreuten mich diese zarten lila Blüten ganz besonders!
Die Blüten werden vorsichtig gepflückt, anschließend löst man die drei roten Narbenfäden mit den Fingern heraus - das kannst du dann ganz entspannt im warmen Zimmer erledigen. Das kann sehr entschleunigend sein - und ich kann dir sagen, jede einzelne Blüte erfüllt dich mit "Gärtnerstolz" und Vorfreude auf die kulinarischen Highlights...
Danach werden sie schonend getrocknet. Und du sollest geduldig sein, denn Safran entfaltet sein typisches Aroma erst nach etwas 6 Monate. Diese Reifezeit solltest du ihm zugestehen!
Für die Küche werden die Fäden am besten einige Minuten in etwas warmem Wasser eingeweicht und erst gegen Ende der Garzeit zum Gericht gegeben. So entfalten sie ihre intensive Farbe und ihren feinen Geschmack besonders gut.
Tipp: eine Safranbäuerin in Marokko hat mir den Tipp gegeben, anstelle Wasser - hochwertiges Öl für das Lösen des Aromas zu verwenden. Diese Kombi schmeichelt im wahrsten Sinne deinem Gaumen.
Bewahre deinen "Safranschatz" dunkel, trocken und luftdicht auf - so wirst du viele Jahre daran Freude und Genuss haben!
Safranfäden NACH dem Trocknungsprozess
Ein Hauch Orient auf dem Teller
Natürlich musste bei mir zumindest ein Risotto Milanese auf den Tisch - denn ehrlicherweise hat es für eine Original marokkanische Tagine nicht gereicht...
Aber ein paar selbst geerntete Safranfäden, cremiger Risottoreis, etwas Parmesan und ein Glas Weißwein - bei uns sogar der "Haslinger-Wein" vom eigenen Weinberg dazu ...
Ganz ehrlich?
Da schmeckt man nicht nur den Safran.
Da schmeckt man den eigenen Garten.
Und vielleicht ist genau das das Schönste am Gärtnern: Wenn aus einer kleinen Knolle Monate später ein Gericht deinen Gaumen verwöhnt wie in 1001 Nacht, das Familie und Freunde gemeinsam genießen.
Mein Gartenglück
Ich liebe Pflanzen, die mich überraschen.
Der Safrankrokus gehört ganz sicher dazu.
Nicht weil er teuer ist.
Nicht weil er selten ist.
Sondern weil er genau dann seine zarten violetten Blüten zeigt, wenn viele andere Pflanzen schon in der Winterruhe sind.
Er erinnert mich jedes Jahr daran, dass der Garten seine schönsten Geschichten oft dann erzählt, wenn man gar nicht mehr damit rechnet.
Und vielleicht ist genau das das größte Gartenglück: offen zu bleiben für Neues, mutig einmal etwas Ungewöhnliches auszuprobieren und sich am Ende über drei kleine rote Fäden zu freuen, die aus dem eigenen Garten kommen...
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Alles Liebe und eine märchenhafte Garten- und Genusszeit!
Patrizia
Die Herzensgärtnerin®
The Heartgardener®
PS: In meinen Naturgärten dürfen auch ungewöhnliche Pflanzen ihren Platz finden. Gerade Arten wie der Safrankrokus zeigen, dass Biodiversität und Genuss wunderbar zusammenpassen.
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